ich war in diesem Forum zwar nie der aktivste, sondern meist ein stiller Mitleser und bin jetzt seit längerem nicht mehr mit der Zündapp Materie (dank Studium und Arbeit) in Berührung gekommen. Aber seit heute habe ich ein etwas spezielleres Objekt in meiner Sammlung, dessen Geschichte ich euch kurz erzählen möchte.
Ich studiere aktuell Maschinenbau in Regensburg. Während den Semestern hat man immer mal wieder Praktika in verschiedenen Bereichen.
In diesem Semester durften wir vor einigen Tagen an einem recht modernen Gerät den Reibwert verschiedener Metalle bestimmen, soweit nichts besonderes.
Am Ende des Versuches zeigte uns der Dozent ein Foto eines alten Versuchsaufbaus (ebenfalls zur Reibwertbestimmung), der in den 80er Jahren zusammengeschustert wurde. Mit dem Foto wollte er uns demonstrieren, welche fortschrittliche Technik wir mittlerweile im Hause haben.
Auf dem Foto (das ich leider nicht zur Hand habe), konnte man einige Fräs- und Drehteile sowie ein altes Mopedgetriebe sehen.
Beim Anblick des Fotos musste ich nachhaken: Er meinte, dass es von einer Kreidler sei.
Nach dem Versuch bin ich auf ihn zugekommen und habe gefragt, was es denn genau mit dem Aufbau auf sich hatte.
Der Versuchsaufbau ist nach seiner Aussage in den 80er Jahren durch einen recht sparsamen Professor entstanden, der sich am Wochenende auf Schrottplätzen herumgetrieben hat, um Material für seine Ideen zu sammeln.
Unter anderem kam ihm dabei dieses Zündapp Getriebe und ein Waschmaschinen-Motor in die Hände, woraus eben dieser Aufbau entstand.
Die Idee stammte vom Prof., das ganze umsetzen durfte ein Student mit Ausbildung zum Zerspaner.
Der Dozent bemerkte, dass ich davon genau so fasziniert bin wie er. Daraufhin meinte er: "Komm mal mit. Ich kann mich von nichts trennen. Ein paar Teile des Versuchsstands müssten noch im Keller rumliegen."
Etwas ausgeschlachtet lag dort dann ein Zündapp 284-03 H Block mit diversen Modifikationen.
Kurzum: "Wenn du Freude dran hast, nimm ihn mit. Hier vergammelt er eh nur und die jungen Kollegen wissen vermutlich gar nicht mehr, was das ist."
Wie ihr auf den Fotos erkennen könnt, wurde an dem guten Stück einiges verändert: Zahnrad statt Polrad, ein Handhebel zum Schalten der Gänge, eine Nabe statt dem Ritzel, das Pleuel entfernt und den Block verschlossen und ein paar Halterungen angebracht.
Wäre es ein 0815 Motor, wäre das ganze vermutlich nicht so interessant. Aber es zeigt, dass zur damaligen Zeit solche Motoren reihenweise weggeschmissen wurden. Heute ist so ein 5 Gang Motor für die 517er Baureihe eine gesuchte Rarität und damals landete es auf dem Schrott.
Genau deshalb fand ich die ganze Geschichte so interessant und wollte sie euch hier kurz mitteilen.
Vielleicht könnt ihr mir noch weitere Details zum Motor nennen oder habt Ideen, was ich damit machen könnte. Ein kompletter Neuaufbau ist wohl mit etwas Aufwand verbunden. Vorerst wird der Block geputzt und landet erstmal so in meiner kleinen Sammlung.
Jetzt noch ein paar Fotos
Grüße
Simon